Schon vor ein paar Wochen hat Juli von heimatPOTTential ein Plädoyer über den Mut zur Ehrlichkeit geschrieben. Ich habe ihren Post verschlungen und mir danach meine Gedanken dazu gemacht. Sie schreibt, dass wir Blogger (natürlich) dazu neigen, unseren Alltag zu "romantisieren", nur über die Sonnenseiten des Lebens zu schreiben und auf unserem Blog immer einen auf Friede-Freude-Eierkuchen zu machen.
Ich glaube nicht nur mir geht es so, dass ich denke: Wer will denn auf einem Blog, mit dem er vielleicht sogar Ablenkung und Abstand vom eigenen Alltag nehmen möchte, hören, dass mir gerade die Decke auf den Kopf fällt oder ich mich einen Tag lang nicht aus dem Bett quälen konnte? Ich frage mich: Wer möchte lesen, mit welchen Problemen sich der Mensch hinter dem Blog herumschlägt?
Als dann Anna von Im Backwahn, mitzog und über eine Angst schrieb, die ihren Alltag zeitweise schon sehr bestimmte, war ich fast schon überrascht, wie interessant ich ihren Artikel fand. Gerade WEIL es in ihm nicht nur um "Blumensträuße und Sonnenuntergänge" ging.
Geht es euch vielleicht genau so?
Seit ich aus Holland wieder Zuhause bin, habe ich das Gefühl ein bisschen in einem Loch versunken zu sein. Ich habe das öfter mal, manchmal einfach aus unbekannten Gründen, manchmal, wenn ich zu viel Stress habe, manchmal wenn ich zu viel über das Leben nachdenke. Ich frage mich dann, ob ich "normal" bin und ob ich nicht einfach mal den Augenblick genießen kann - jetzt wo es draußen endlich wieder wärmer wird. Ich werde wütend auf mich selbst.
Es ist nicht so, dass ich tagelang im Bett liege und nicht mehr aufstehe, es ist eher so dass ich total antriebslos und lustlos durch die Gegend laufe und nicht mal Lust auf Backen habe (was bei mir wirklich nicht oft passiert). Ich verbringe die Zeit dann mit Lesen oder schaue einen Film, kann mich aber für nichts wirklich begeistern. Auch das geht irgendwann vorbei und es geht mir wieder besser... aber das Dumme ist, dass ich oft ein richtig schlechtes Gewissen dem Blog und euch gegenüber habe. Das letzte Rezept ist jetzt schon wieder eine gefühlte Ewigkeit her und es gibt auch nicht wirklich etwas neues. Weder im Ofen noch in meinem Kopf. Der Kuchen, den ich vor ein paar Tagen gebacken habe, ist leider ziemlich misslungen, was meine Laune auch nicht gerade hebt.
Das setzt mich irgendwie unter Druck. Ein Druck, den ich auf gar keinen Fall möchte, und manchmal kann ich mich dann auch beruhigen und denke mir: Es ist schon okay, wenn ich erstmal eine Pause mache oder das Rezept nicht der allergrößte Hit ist. Das wird mir sicher niemand übel nehmen. Aber manchmal glaube ich mir selbst nicht.
Die Filo-Röllchen, die ich nach diesem Rezept schon vor meiner Reise nach Holland für das Fußballspiel gebacken habe, habe ich heute zum Anlass genommen, über das Thema zu schreiben, das nun schon länger in meinem Kopf herum geistert. Sie sind ein Beispiel für einen Post, den ich eigentlich nicht veröffentlichen wollte. Die Bilder sind fast alle gleich, sie sind unspektakulär und ich bin selbst nicht begeistert.
Allerdings geht es nicht immer darum, perfekt zu sein (sondern so gut wie nie). Dieses Ziel hat mich schon oft unter Druck gesetzt und mich halb verzweifeln lassen. Ich dachte mir oft: Ich möchte meinen Blog konstant halten, die Qualität soll nicht ständig schwanken und alles soll so perfekt wie möglich sein. Aber was, wenn das gar nicht geht? Weil das Leben eben auch nicht konstant und nicht vollkommen ist.
Mein Blog soll so sein, wie das Leben selbst: Nicht perfekt, nicht aufgesetzt, sondern echt und mit all den Höhen und Tiefen, die das Leben zu bieten hat.
Das ist nun mein Vorsatz. Und wenn ich eine Zeit lang keine Ideen habe, dann ist das eben so. Der Blog soll in erster Linie schließlich Spaß machen, oder nicht? :)
Jetzt veröffentliche ich den Post und habe trotzdem noch ein klein bisschen Bammel vor euren Reaktionen. Aber es war mir wichtig, das alles los zu werden, auch wenn es eigentlich noch viel mehr zu schreiben gäbe.
Bis bald also!
Fühlt euch allesamt umarmt und habt ein tolles Wochenende,
Eure Selina ♥







